
Unauffällig hinter einer hohen Steinmauer liegt in Neunkirchen auf der Spieser Höhe der Jüdische Friedhof. Abgelegen wie er ist war er selbst den Nazis nicht wichtig. Und er überlebte diese Zeit. Die Synagoge am Oberen Markt in Neunkirchen wurde, wie fast 200 weitere im Reich, in Brand gesteckt und später abgerissen. 1994 wurde der Platz vor der ehemaligen Synagoge in „Synagogen Platz“ benannt.
Während der rechtsradikalen und antisemitischen Welle der 1990er Jahre wurde die Hinweistafel mehrfach beschmiert und beschädigt und 2004 entfernt. Nichts wies mehr auf den Friedhof hin. Dort sind auch die Gräber von mehr als 200 sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und Kinder zusammengeführt, die in Neunkirchen während der Zeit des Faschismus ermordet wurden, an Erschöpfung verstarben oder durch Bomben.

Mitglieder der AG Stolpersteine gegen das Vergessen Neunkirchen wandten sich an die Stadtverwaltung damit wieder eine würdige Hinweistafel aufgestellt wird. Diese erklärte sich bereit, das Vorhaben zu unterstützen. Die Jüdische Gemeinde Saarbrücken unterstützte ebenfalls. Der Neunkircher Metallkünstler Wolfgang Lang gestaltete Säule und Rahmen. Diese neue Tafel weist hin auf den jüdischen Friedhof und auf die Gräber der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee, wurde das Hinweisschild in einem öffentlichen Gedenken enthüllt. Rund 40 Bürger*innen nahmen teil, Anwohner des nahegelegenen Schaumbergring, Vertreter*innen des Neunkircher Forums für Freiheit, Demokratie und Antifaschismus und des Bündnis für Vielfalt.
Ulrike Heckmann, Sprecherin der AG Stolpersteine, Lisa Hensler, Bürgermeisterin der Stadt Neunkirchen und Joram Ehrlich, Vetreter der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken, würdigten die Aufstellung der Hinweistafel. Dies sei auch ein Zeichen des Widerstandes gegen Rechtsentwicklung und Antisemitismus. Wolfgang Lang erklärte die Gestaltung der Y-förmigen Säule, die nach oben hin sich öffnet als Ausdruck der Vielfalt und sich öffnenden Demokratie. Beim anschließenden Gedenken auf dem Friedhof informierte der Vertreter der Synagogengemeinde über den Ritus jüdischer Grablege.
In Vorbereitung ist das Anbringen eines Lageplanes als Ergänzung zu dem Hinweisschild und eine Erneuerung der Gedenkplakette für die ermordeten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Rainer Dörrenbecher, AG Stolpersteine, DKP Neunkirchen

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