Rede auf der Veranstaltung zum Internationalen Frauentag 2026

Die folgende kurze Rede wurde auf der diesjährigen Veranstaltung des Frauenpolitischen Forums der DKP Saarland zum Internationalen Frauentag gehalten. Die Filmveranstaltung über Käthe Kollwitz im Kino Achteinhalb war ausverkauft.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

ich begrüße Euch alle recht herzlich zur diesjährigen Veranstaltung der DKP zum Internationalen Frauentag.

In den letzten Jahren hatte ich ja immer wieder die Aufgabe, die Begrüßung unserer Veranstaltung zu übernehmen. In Vorbereitung auf den heutigen Abend habe ich mir mal die eine oder andere Begrüßung der letzten Jahre nochmal angeschaut und meistens habe ich in der Begrüßung auch was zum Thema Gender pay gap oder equal pay day gesagt. Das möchte ich heute nicht tun. Denn immer um den 8.März herum wird in den Medien über dieses Thema berichtet, sonst ja eher weniger, und ihr seid darüber sicher bestens informiert.

Viel interessanter finde ich die Gender Gaps, also die Lücken, über die nicht oder nicht so oft berichtet wird.

Wie wäre es z.B. mit der gender sleep gap? Auch die gibt es. Frauen benötigen mehr Schlaf als Männer, bekommen aber nicht mehr Schlaf. Und zusätzlich dazu ist die Schlafqualität von Frauen deutlich schlechter als die von Männern.

Oder die gender health gap: Erkrankungen werden bei Frauen in der Regel später diagnostiziert als bei Männern, z.B. wird ein Diabetes bei Frauen ca. 4,5 Jahre später festgestellt. Frauen haben auch öfter Nebenwirkungen durch Medikamente als Männer, da die Wirkung und Dosierung von Medikamenten meistens auf Männer ausgelegt ist. Durch diese männerzentrierte Sichtweise in der Medizin kommt es häufiger zu Fehldiagnosen. Beispiel Herzinfarkt – das oft genannte Symptom Schmerzen im Arm fehlt bei Frauen recht oft. Auch in der Forschung haben Männerkrankheiten Vorrang. Es gibt deutlich mehr Studien zum Thema Erektionsprobleme und zu Potenzmitteln für Männer als zum Thema Endometriose bei Frauen.

Dem Engagement von Frauen und auch Männern ist es zu verdanken, dass solche Ungleichbehandlungen stärker in unser Bewusstsein gerückt werden. Dass sich immer mehr Menschen dafür einsetzen, dass es eine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt. Aber leider sind wir von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt.

Nun ein kleines Spiel: Überlegt, ob Ihr folgende Namen kennt:

Goethe

Schiller

Kaléko

Boulanger

Bach

Mozart

Morisot

Michelangelo

Van Gogh

Die Namen, die Ihr nicht gekannt habt, waren wahrscheinlich Namen von Frauen. Bekannte Schriftstellerinnen, Komponistinnen oder Malerinnen.

Der berühmte Roman Frankenstein wurde zunächst anonym veröffentlicht, bevor einige Jahre nach der Erstveröffentlichung der Roman mit dem Namen der Schriftstellerin publiziert wurde. Mary Shelley. Viele Jahre war man der festen Überzeugung, dass nicht Mary sondern ihr Mann den Roman geschrieben haben muss.

Sucht man im Internet nach Listen bekannter Schriftsteller, Maler, Komponisten findet man immer Listen, in denen 40-50 Männer genannt werden und vielleicht 2 oder 3 Frauen auftauchen.

Oder die Anzahl von Frauen bei Nobelpreisverleihungen. Von den 995 Preisträger*innen, die zwischen 1901 und 2025 den Nobelpreis erhielten, sind lediglich 68 Frauen (6,8 Prozent). Und das nicht etwa, weil Frauen keine Forschung betreiben. In zahlreichen Fällen erhielten die Männer den Preis. Z.B. Otto Hahn für Physik wegen seiner Arbeiten zum Thema Kernspaltung, an der aber auch Lisa Meitner entscheidenden Anteil hatte, sie hat nämlich die theoretischen Grundlagen gelegt. Lisa ging aber leer aus und ihr Namen taucht eigentlich fast nie auf.

Nach wie vor sind Männer die Dominanten in unserer Gesellschaft. Auch bei neuen Technologien stellt dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar, z.B. bei KI.

Die Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) ist weltweit stark männerdominiert. Dieser Umstand hat weitreichende Konsequenzen für die Technologie selbst, da einseitige Teams dazu neigen, geschlechtsspezifische Vorurteile (Gender Bias) in Algorithmen und Daten zu tolerieren, die Frauen benachteiligen können.

Liebe Genoss*innen, liebe Freund*innen,

für unsere heutige Veranstaltung haben wir einen Film über Käthe Kollwitz gewählt.

Dies nicht nur weil wir das Leben einer der bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhundert zeigen wollen, sondern auch weil für Käthe Kollwitz das Thema Krieg und Frieden eine zentrale Rolle gespielt hat.

Mit ihren oft ernsten, teilweise erschreckend realistischen Kunstwerken, die auf eigenen Erfahrungen basieren, entwickelte Kollwitz einen eigenständigen Stil.

Der Tod ihres Sohnes Peter im Krieg ließ sie nicht los und prägte viele ihrer bekannten Werke. Man spürt in ihren Arbeiten die Trauer und den Schmerz.

Und man erkennt in vielen ihrer Werke die Sinnlosigkeit von Krieg. Ihre Werke waren und sind nicht nur Ausdruck persönlicher Empfindungen. Sie wandte sich an ihre Mitmenschen, appellierte, versuchte aufzurütteln, engagierte sich politisch.

Eines ihrer bekanntesten Werke ist das Plakat „Nie wieder Krieg“, geschaffen 1924 für den Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung.

Der Internationale Frauentag war und ist immer eng verbunden mit dem Thema Krieg und Frieden. Frauen sind in kriegerischen Konflikten in besonderem Maße von Gewalt, Vertreibung und den sozioökonomischen Folgen betroffen. Diese spezifische Betroffenheit zeigt sich in verschiedenen Bereichen, z.B. in sexualisierter Gewalt als Kriegsmittel, Stigmatisierung und fehlender Versorgung, Flucht und Verantwortung für Kinder und ältere Menschen.

Gerade heute, wo es so viele kriegerische Auseinandersetzungen gibt, ist es besonders wichtig, weiter auf die Folgen von Kriegen für Frauen aufmerksam zu machen. Auch in Ländern wie Deutschland, die nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen im eigenen Land stecken, sind die Folgen, wie die Streichung von Sozialleistungen zugunsten von Sondervermögen für weitere Aufrüstung für Frauen besonders spürbar.

Und das i-Tüpfelchen bei Thema Aufrüstung ist für mich, dass die Rufe nach Kriegstüchtigkeit uns sogar noch als Gleichberechtigung verkauft werden. CDU/CSU und große Teile der SPD argumentieren, dass wahre Gleichstellung gleiche Pflichten bedeutet. Wenn Frauen volle Rechte haben, sollten sie auch gleiche Pflichten bei der Verteidigung tragen, um Rollenbilder aufzubrechen.

Was für ein Quatsch. Mit Gleichberechtigung hat die Wehrpflicht nichts zu tun: Die Wehrpflicht dient dazu, die Militarisierung und „Kriegstüchtigkeit“ weiter voranzutreiben – Frauen sollten nicht verstärkt Teil davon werden, sondern gemeinsam mit Männern dagegen kämpfen. Ich finde es toll, dass auch im Saarland im Dezember und letzte Woche Schulstreiks gegen Wehrpflicht stattgefunden haben. Der nächste Schulstreik gegen Wehrpflicht wird am 8.Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, stattfinden. Ein Termin, den wir uns jetzt schon vormerken sollten, genauso wie den Termin des Ostermarschs, der am Ostersamstag um eine Minute vor 12 an der Johanniskirche starten wird.

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