Völklingen, 12. Juni 2026 – Stahl, Klima und der Betrug an Stahlbeschäftigten und Steuerzahlern

Warum der Stahlaktionstag in Völklingen mehr ist als ein Gewerkschaftsprotest – und was auf dem Spiel steht

Heute gehen die Beschäftigten der saarländischen Stahlindustrie auf die Straße – nicht gegen die Transformation, sondern für sie. Denn was die Politik gerade betreibt, ist ein Betrug: Auf der einen Seite fließen 2,6 Milliarden Euro Steuergelder in den klimaneutralen Umbau der Dillinger Hütte und Saarstahl. Auf der anderen Seite wird auf EU-Ebene und in der Bundesregierung ernsthaft überlegt, das sowieso unzulängliche Emissionshandelssystem (ETS) noch weiter aufzuweichen. Wer durch aufgeweichte Klimaschutz-Regeln billiger produzieren kann, spart auf Kosten des Klimas und schädigt klimaschonende Produzenten. Staatlich gefördert, steuerzahlerfinanziert. Das ist keine Industriepolitik – das ist Subvention für Profite weniger auf Kosten der saarländischen Stahlarbeiter und der Allgemeinheit.

Milliarden investiert – ohne Markt
Was nützen die modernsten Stahlöfen Europas, wenn der grüne Stahl keinen verlässlichen Abnehmer findet? Wer jetzt in klimaschonende Produktion investiert, braucht die Garantie, dass sein Produkt auch gekauft wird. Diese Garantie fehlt.
Ohne staatlich garantierte Absatzmärkte – etwa durch eine verbindliche Pflicht zur Beschaffung von grünem Stahl bei öffentlichen Infrastrukturprojekten – bleibt die Transformation ein Hochrisikoprojekt. 74 Prozent der Branchenexperten sehen grüne Leitmärkte als entscheidend für den Transformationserfolg. Die Politik aber will den klimaschädlichen Rollback in der Industrie – wie in der Energiepolitik.

Skandal mit Ansage
Wenn Berlin und Brüssel weiter zögern, droht eine der größten Fehlinvestitionen der deutschen Industriegeschichte: Milliarden in neue Anlagen investiert – kein Markt, kein Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen, kein Schutz für grünen Stahl. Die 14.000 Beschäftigten im saarländischen Stahl haben verstanden, was auf dem Spiel steht. Sie sind bereit, die Transformation zu tragen – aber dabei nicht in die Wüste geschickt zu werden. Wer grünen Stahl will, muss ihn auch kaufen. Wer Klimaschutz ernst nimmt, darf die Dreckproduzenten nicht staatlich bevorteilen. Industrieproduktion zulasten unserer Zukunft muss ein Ende haben.

Die DKP fordert deshalb die Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien unter demokratischer Kontrolle. Transformation statt Raubbau. Zukunft statt Kapitalismus.

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